Justiz und NS-Verbrechen
Die deutschen Strafverfahren wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen
1945 - 2017

Inhaltsverzeichnis

Die Website Das Projekt Die Verfahrensbeschreibungen Die Bearbeiter Strafakten einsehen Forschungshilfen Einzelne Urteile bestellen

Die Website

Diese Website bietet eine systematische Übersicht der von deutschen Gerichten wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen durchgeführten Strafverfahren. Unter 'Tötungsverbrechen' fallen hier nicht nur Mord und Totschlag, die klassischen 'Straftaten gegen das Leben', sondern auch Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Rechtsbeugung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit (insbes. Denunziation), soweit dadurch der Tod eines Menschen verursacht wurde oder zumindest versucht worden ist, seinen Tod herbeizuführen.

Die Website enthält

1) die über 900 einschlägigen westdeutschen Verfahren, die sich mit während des 2.Weltkrieges begangener Straftaten befassen;
2) die über 900 einschlägigen ostdeutschen Verfahren aus den Jahren 1945 - 1990, die sich mit den in der Zeit von 1933 bis 1945 begangenen NS-Tötungsverbrechen befassen. Auch sind die in diesen Verfahren nach 1990 durchgeführten sog. Rehabilitierungsverfahren berücksichtigt worden.

Die in dieser Website enthaltenen Informationen sind den Urteilssammlungen Justiz und NS-Verbrechen und DDR-Justiz und NS-Verbrechen entnommen.

Diese Website will eine globale Übersicht über die einschlägigen Verfahren vermitteln.



Das Projekt

Im Rahmen des Projekts Justiz und NS-Verbrechen erscheinen die seit 1945 bei der Ahndung nationalsozialistischer Tötungsverbrechen ergangenen westdeutschen und ostdeutschen Strafurteile.

Erschienen sind
die westdeutschen Strafurteile aus den Jahren 1945 bis 2012 - Justiz und NS-Verbrechen Bände I - XLIX - , sowie
die ostdeutschen Strafurteile aus den Jahren 1945 bis 1990 - DDR-Justiz und NS-Verbrechen Bände I-XIV.

Ausser in den gedruckten Bänden der beiden Urteilssammlungen finden Sie die Gerichtsentscheidungen jetzt auch online: www.junsv.nl. Die Gerichtsentscheidungen der seit dem 1.1. 2012 abgeschlossenen Strafverfahren werden nur noch online veröffentlicht ( in 'Band L').

Die Verfahrensbeschreibungen

Durch die Verfahrensbeschreibung wird weder zur Anklage noch zum Urteil Stellung genommen. Es wird lediglich eine Übersicht über den Gegenstand des Verfahrens, die ergangenen Gerichtsentscheidungen und den Ausgang des Verfahrens (Freispruch, Verurteilung usw.) geboten.

 

In der Verfahrensbeschreibung wird die dem Angeklagten vorgeworfene Straftat dargestellt, und zwar so, wie diese aus dem Urteil sowie - soweit vorhanden - aus der Anklageschrift bzw. dem Eröffnungsbeschluss hervorgeht. Ob und ggf. in wieweit diese den Gegenstand des betr. Verfahrens bildende Straftat nach Ansicht des Gerichts dem Angeklagten auch nachgewiesen werden konnte, geht aus dem Urteil hervor.


Die Bearbeiter


C.F. Rüter

Prof. Dr. Christiaan Frederik Rüter (1938)

Rechtswissenschaftliches Studium an der Universität Amsterdam (1956-1962) und am Max Planck Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg/Brsg (1962-1966). Von 1972 bis 2003 Ordinarius für Strafrecht und  Strafprozessrecht an der Universität Amsterdam. Richter-stellv. am Landgericht Amsterdam.
Auszeichnungen:
Ridder Nederlandse Leeuw
Bundesverdienstkreuz I

D.W. de Mildt

Dr. Dick W. de Mildt (1957)

Freiberuflicher Historiker und Inhaber des Forschungsbüros EX POST FACTO; Studium der Geschichte an der Universität Leiden (1977-1987). Von 1987 bis 2006 Rechtshistoriker am Institut für Strafrecht der Universität Amsterdam. Habilitation 1996  mit einer Arbeit über die 'Euthanasie'- und 'Aktion Reinhard'-Verfahren.

Verantwortlich für das Projekt 'Justiz und NS-Verbrechen' ist die niederländische Stiftung 'Stichting voor wetenschappelijk onderzoek van nationaal-socialistische misdrijven', Amsterdam. Für alle Fragen im Zusammenhang mit dem Projekt wenden Sie sich bitte an: junsv@expostfacto.nl.

Strafakten einsehen - wo sind die Akten?

Falls die von uns veröffentlichten Urteile Anlass zu weiteren Forschungen zum betr. Verfahren geben, könnte Einsichtnahme in die Strafakten von Nutzen sein. Zwar sind eine Reihe von Strafakten inzwischen vernichtet worden oder verloren gegangen, von einer stattlichen Anzahl von Verfahren sind sie jedoch noch vorhanden.

Westdeutschland:
die westdeutschen Strafakten befinden sich grundsätzlich bei der Staatsanwaltschaft bei jenem Landgericht, vor dem die Strafsache verhandelt worden ist. Dort (bei der Staatsanwaltschaft) sollte man anfragen. Ältere Akten dürften von der Staatsanwaltschaft an die Landesarchive abgegeben worden sein. Die betr. Staatsanwaltschaft kann darüber Auskunft geben bzw. leitet die Anfrage an das Landesarchiv weiter.

Ostdeutschland (ehemalige SBZ / DDR):
die ostdeutschen Strafakten aus Verfahren wegen NS-Verbrechen befinden sich nur ganz selten bei den Staatsanwaltschaften, da diese die Akten in der Regel an das Ministerium für Staatssicherheit der DDR abgegeben haben.
Deshalb befinden sich die meisten erhalten gebliebenen Strafakten jetzt bei der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR in Berlin (weiter: BStU).
Dort sind die Akten aber nicht nach dem Aktenzeichen der Justiz registriert und somit über dieses nicht auffindbar. Dazu braucht man den Namen, den Geburtsort und das Geburtsdatum des Angeklagten.
Da über 85% der Namen von uns aus Datenschutzgründen gekürzt wiedergegeben werden müssen, ist folgendes Verfahren mit der BStU abgesprochen worden:

Sie wenden sich an

BStU
Referat AU II.3
zu Az.: 46316/94 Z
Postfach 218
D 10106 Berlin / BRD
(oder per fax: + 49 30 2324 9039)

- beziehen sich auf die Website 'Justiz und NS-Verbrechen'
und
- bezeichnen das Ihnen interessierende Verfahren mit der 'Verfahren Lfd.Nr.', die es in unserer Website hat (z.B. für das Verfahren des LG/BG Karl Marx Stadt aus dem Jahre 1959 gegen Kön. und Win. die 'Verfahren Lfd.Nr.' 1094).


Auch wenn der Name des Angeklagten nicht gekürzt worden ist, ist die Angabe der 'Verfahren Lfd.Nr.' erforderlich, weil die Website kein Geburtsdatum und keinen Geburtsort der Angeklagten enthält und diese für das Auffinden der Akte in aller Regel unentbehrlich sind.

Bitte schreiben Sie nicht einfach an die BStU, sondern erwähnen Sie ausdrücklich in Ihrer Anschrift die oben angegebene Abteilung ("Referat AU II.2") und das Az. ("46316/94 Z"). Denn nur diese Abteilung kann an Hand der ihr von uns übergebenen Listen und der von Ihnen genannten 'Verfahren Lfd.Nr.' die in Frage kommenden Angeklagten feststellen und damit die gewünschte Strafakte (falls vorhanden) auffinden.

Forschungshilfen

Privaten Forschern, die suchen aber nicht fündig werden, kann individuell mit gezielten Suchhilfen geholfen werden.

1. Verfahren suchen

a) Suchen nach einem Verfahren gegen einen bestimmten Angeklagten, das sich auf der Internetseite nicht finden lässt.
Das kann verschiedene Gründe haben:
‑ aus datenschutzrechtlichen Gründen sind die Namen vieler Angeklagten gekürzt, darunter auch der Name des gesuchten Angeklagten;
‑ in dem Verfahren ist kein Urteil ergangen - das Verfahren ist von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden, der Angeklagte wurde nach einer gerichtlichen Voruntersuchung ausser Verfolgung gesetzt oder es ist aus anderen Gründen zwar zu einem Ermittlungsverfahren, nicht aber zu einer Hauptverhandlung gekommen (nur Verfahren, in denen ein Urteil ergangen ist, werden auf der Internetseite erwähnt);
‑ es betrifft ein Verfahren, dass sich nicht mit einem NS‑Verbrechen befasst, das den Tod eines Menschen verursacht hat (nur Verfahren wegen NS‑Verbrechen mit Todesfolge werden auf der Internetseite vermerkt).

 b) Suchen nach einer bestimmten Gruppe von Verfahren, z.B.
‑ alle westdeutschen Verfahren aus der Zeit vor 1960, die sich mit der Judenvernichtung durch Angehörige der deutschen Wehrmacht befassen
oder
‑ alle Verfahren, in denen weibliche Angeklagte wegen ihrer Teilnahme an der sog. Euthanasie freigesprochen worden sind
oder
‑ alle zwischen 1945 und 1952 in der ehemaligen französischen Besatzungszone durchgeführten Verfahren, die sich mit einem bestimmten Tatbestand (z.B. Verbrechen gegen die Menschlichkeit) befassen, usw.

In vielen solchen Fällen kann die Zentrale Amsterdamer Verfahrensdatei (ZAV) helfen: sie enthält nicht nur ‑ und zwar ungekürzt ‑ die Namen der Angeklagten, deren Verfahren mit einem Urteil abgeschlossen wurden, sondern auch eine grosse Zahl von (meistens von der Staatsanwaltschaft eingestellten) Verfahren, die ohne Urteil geendet sind. Ausserdem enthält die ZAV mehrere Suchkriterien, die auf der Internetseite nicht berücksichtigt werden konnten. Alle diese Kriterien können (anders als auf der Internetseite) bei einer Suche kombiniert (oder ausgeschlossen) werden.

2. Suchen im Pressearchiv

Die Redaktion hat die in der deutschen Tagespresse seit 1963 veröffentlichten Meldungen, Berichte und Kommentare zur Verfolgung von NS-Verbrechen allgemein sowie zu den einzelnen NS-Verfahren gesammelt. Sie enthalten eine Fülle von Informationen über Erfolge und Misserfolge bei der Ahndung, über gesetzgeberische Massnahmen und Rechtsprechung sowie über Ermittlungen und den Verlauf der Hauptverhandlung einzelner Verfahren.

Beantragung der Forschungshilfe

Aus datenschutzrechtlichen Gründen (aber auch weil das Format der Dateien nicht internet-tauglich ist) können Interessenten nicht selbst in der Verfahrensdatei suchen. Anfragen::
junsv@expostfacto.nl)

Dieser Service ist für Wissenschaftler, Journalisten und andere Privatpersonen bestimmt. Ein Anspruch darauf besteht nicht, aber wir sind bestrebt, im Rahmenn unserer Möglichkeiten zu helfen.

Einzelne Gerichtsentscheidungen bestellen

In begrenztem Umfang können einzelne Urteile in PDF geliefert werden. Bestimmt ist dieser Service für Wissenschaftler, Journalisten und andere Privatpersonen, die einige wenige Urteile für private Forschungszwecke erwerben möchten. Die Dokumente sind urheberrechtlich geschützt. Weitergabe oder Veröffentlichung der gelieferten Dokumente in irgendeiner Form ohne vorherige schriftliche Genehmigung der Amsterdamer Stiftung zur wissenschaftlichen Erforschung nationalsozialistischer Verbrechen ist ausdrücklich nicht gestattet. Ein Anspruch auf Lieferung besteht nicht, aber die für die west- und ostdeutschen Urteilsserien verantwortliche Stiftung bemüht sich Ihren Wünschen gerecht zu werden.

Bestellung (durch Angabe der betr. Verfahrensnummer) bei: junsv@expostfacto.nl
Geliefert werden alle veröffentlichten Urteile aus dem Verfahren in dem das gewünschte Urteil ergangen ist.
Von den zwischen 1968 und 1981 veröffentlichten westdeutschen Verfahren Nr.1 - 616 wird die 2011 fertig gestellte, überarbeitete und mit aktualisierten Anmerkungen versehene 2. Auflage geliefert.
Die Kosten (25 Euro pro Verfahren) werden von dem zur Abwicklung benötigten Zeitaufwand (und somit nicht vom Umfang der Urteile) bestimmt.

Zum Beispiel:

Globke-Urteil

Zum Herunterladen bitte auf die Abbildung klicken (PDF, 790 kB)

 

Redaktion Justiz und NS-Verbrechen. Sammlung deutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen, Amsterdam, im Februar 2018

Prof.dr. C.F. Rüter

Dr. D.W. de Mildt

 

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